Notkapelle in Wieste

Museum / Museumsdorf Kirche & Kloster Historische Stätte Park
An diesem Ort wird die Geschichte des Stadtteils Wieste sichtbar.

Hier wurde im 18. Jahrhundert eine Scheune errichtet. Dieses unscheinbare Gebäude sollte in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) sowie des anschließenden Wiederaufbaus prägend für die Dorfhistorie sein. Es begleitete die Wiester auf unterschiedlichste Weise, als Gefangenenlager, Notkapelle, Schule und als Gemeinschaftshaus, bis es schließlich in den 1980er Jahren abgerissen wurde.

Dieser Platz ist daher prädestiniert dafür, eine Erinnerungsstätte zu schaffen, deren Zweck darin bestehen sollte, Besonderheiten der Dorfhistorie zu dokumentieren.

In Einklang zu dieser Grundintention wurde versucht, der Schemenhaftigkeit der Erinnerung Ausdruck zu verleihen. Die Mauern des Ursprungsgebäudes wurden daher nur zum Teil wiedererrichtet. Auf die Originalfundamente gebaut, verknüpfen sie die Vergangenheit mit der Gegenwart. Die Ausstellungstafeln beschreiben diesen Ort der Erinnerung sowie besondere geschichtliche Ereignisse Wiestes.

Der Blick auf die Vergangenheit wird durch die natürliche Umgebung ergänzt. Die alten Eichen schauen als Zeugen verganener sowie gegenwärtiger Ereignisse auf diese Stätte der Erinnerung und das Dorf. Die natürliche Vegetation des kleinen Waldes wird jedes Jahr durch das Pflanzen eines besonderen Baumes erweitert. Zudem finden Ausstellungen aktueller Projekte der verschiedenen Vereine statt. So wurde insgesamt ein Platz geschaffen, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen.

1943 – 1950 - Die Notkapelle

Nach Abzug der Kriegsgefangenen stand das Gebäude vorübergehend leer. Als der sonntägliche Kirchweg nach Werlte für die Wiester Gläubigen aufgrund möglichen Beschusses durch Tiefflieger zu gefährlich geworden war, richtete man eine Notkapelle in dem ehemaligen Gefangenenlager ein.

Die erste hl. Messe in Wieste wurde hier am 4. Juni 1943 gefeiert. In der Folge fanden sonntägliche Messen statt.

Am 28. August 1943 verschlug es den in Hamburg in seiner Pfarrei ausgebombten Pfarrer Wilken nach Wieste. Fortan fanden jeden Sonntag zwei und jeden Werktag eine hl. Messe statt. Im Laufe dieses Jahres wurde die Kapelle würdig hergerichtet und unter anderem mit Kirchenbänken ausgestattet.

Die Notkapelle und der eigene Pfarrer erwiesen sich als großer Glücksfall für die Gemeinde, bangten viele Wiester doch nicht nur um die eigene Existenz, sondern viel mehr noch um das Leben und das Wohlergehen ihrer Väter, Männer, Söhne und Brüder an den Fronten des Krieges.

Immer wieder trafen Nachrichten über weitere Gefallene ein, die der Krieg nicht mehr hergeben würde. Für viele Wiester ergaben sich scheinbar ausweglose Situationen des Schmerzes und der Trauer.

Die Möglichkeit, sich einem Pfarrer, der das Leid durch sein Einfühlungsvermögen zu mindern vermochte, anzuvertrauen sowie an diesem Ort gemeinsam zu beten, ließ die Menschen in Wieste zweifelsohne enger zusammenrücken.
 
Entwicklungen in den 1959er Jahren

Die 1959er Jahre standen in Wieste im Zeichen starker Veränderungen:

  • Im Jahre 1950 wurde die neue Josefskirche erbaut und am 23. November diesen Jahres eingeweiht. Sie war von der Wiester Gemeinde vollständig in Eigenleistung errichtet worden. 1952 folgte die Anlage eines dorfeigenen Friedhofes.
  • Vom 5. April 1951 bis zum 5. September 1955 wurde die ehemalige Notkapelle als Schulraum genutzt.
  • Da das alte Schulgebäude, Baujahr 1891, und der provisorische Schulraum den hohen Schülerzahlen (90 Schüler im Jahre 1950) und einer zeitgemäßen Unterrichtsversorgung nicht mehr genügten, erhielt die Gemeinde 1955 ein neues, moderneres Schulgebäude.
  • 1957 wurde mit der Begradigung und Regulierung der Mittelradde begonnen und in den Folgejahren durch den Ausbau der Vorflut und weitere Melorationsmaßnahmen eine deutliche Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzung bewirkt.
  • 1959 folgte der Ausbau einer neuen Ortsdurchfahrt mit Kanalisation und Bürgersteig.
 
Entwicklungen von 1960 bis 2014

Die Zeit von den 1960ern bis zur Gegenwart wurde insbesondere durch die immer rasanter ablaufenden technischen Veränderungen, den Strukturwandel in der Landwirtschaft und besondere politische Entscheidungen geprägt.

Von diesen Entscheidungen betroffen war auch die Wiester Volksschule, die 1972 geschlossen wurde. Die Wiester Schüler wurden fortan in Werlte eingeschult. Seit dem Jahr 1987 besuchen die Grundschulkinder die Schule im Werlter Stadtteil Wehm.

Im Jahr 1973 verlor Wieste im Rahmen der kommunalen Gebietsreform in Niedersachsen seine Selbständigkeit als Gemeinde und ist heute ein Stadtteil der Stadt Werlte.

Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg bescherte auch Wieste einen gewissen Wohlstand, der sich bis in die Gegenwart weiterentwickelte und heute leicht am Gesamtbild des Ortes erkennbar ist. Fast alle Wohnhäuser wurden in dieser Zeit um- oder neu gebaut.

Der Ort besitzt zwei Sportplätze mitsamt Flutlichtanlagen. Das ehemalige Schulgebäude wurde 2002 den Erfordernissen der Dorfgemeinschaft angepasst und erweitert, sodass es nunmehr Räumlichkeiten für die Vereine des Ortes beherbergt.

Sowohl die Melorationsmaßnahmen Ende der 1950er Jahre als auch die einsetzende Mechanisierung in der Landwirtschaft sowie die Abwanderung vieler Arbeitskräfte in die Industrie führten zu einer starken Veränderung des Ortes. In den 1950er Jahren gab es in Wieste 33 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe und 11 nebenerwerbsbetriebe. 2014 waren es lediglich noch 10 Vollerwerbsbetriebe.

Aus einem kleinen Stellmacherbetrieb in direkter Nachbarschaft zu diesem Ort entwickle sich ein moderner Industriebetrieb im Bereich des Nutzfahrzeugbaus, der als größter Arbeitgeber im Stadtteil fungiert.

Quelle:

Samtgemeinde Werlte

destination.one

Organisation:

Samtgemeinde Werlte

Zuletzt geändert am 20.06.2022

ID: p_100044089