Dem Waldglas auf der Spur

Wandern
Tourendaten
sehr leicht
95 m
1 m
568 m
566 m
Startpunkt

Panorama-Fital-Park Lam

Zielpunkt

Rundweg

Der Themenweg „Dem Waldglas auf der Spur“ führt ausgehend vom Kurpark entlang der Lambacher Straße nach Lambach, vorbei am Märchen- und Gespensterschloss („Willmann-Villa“, früher Sitz des letzten Glashüttenherren) und unterhalb des Kolping-Ferienhauses durch den Hochwald und über Stierberg, Hinterschmelz, Schmelz und Vorderschmelz nach Engelshütt zum Dorfanger (Glasmacher-Denkmal); von dort auf dem Fußgängerweg zurück nach Lam.                                                                                                                                
(Rundweg; Länge ca. 10 km, Gehzeit ca. 2–2,5 Std.; bei trockener Witterung auch für Kinderwagen geeignet;)


Standort: Kurpark
 geprägt von einfachen Gebrauchsgläsern nach römischen Vorbildern, die zumeist in Formen geblasen wurden. Vom 6. Jhdt.  an wurde der Gebrauch von Glas für Fenster üblich, bis zum 12. Jhdt. wurde viel Fensterglas in Frankreich hergestellt. Zu dieser Zeit entstanden in verschiedenen Waldgegenden Europas neue Glashüttenplätze, so auch in Deutschland und Böhmen.
Die Gläser, die zu dieser Zeit entstanden, nennt man „Waldglas“, da zur Glasschmelze Holzasche, zumeist von Buchen oder Eichen, verwendet wurde. Diese Gläser haben oftmals einen kräftigen Grünstich.
Etwa ab dem 15. Jhdt. begann die große Zeit des venezianischen Glases, obwohl in Venedig schon vor dem 10. Jhdt. eine Glasindustrie bestand.
Ab etwa dem 16. Jhdt. erfolgten zahlreiche Neugründungen von Glashütten. Diese Hütten produzierten Gläser nach venezianischem Vorbild.
Im 17. Jhdt. wurden geschliffene und gravierte Gläser sehr populär. Zentren dieser Arbeitstechniken waren Deutschland, Böhmen und die Niederlande.
 

Tafel 2 : Standort Hotel Sonnbichl / Landgasthof Eder   
Die Glashütten
Tausendjährig Gehölz hat unser Fleiß schon gelichtet,
seit der Schmelzöfen Gluth endlose Wälder verkohlt.
Holland´s reiche Geschlecht`schau`n gern aus reinlichen Fenstern;
für gebrechlich Glas geben sie schweres Metall.
(Adalbert Müller - 1829)
 
Tafel 3 : Standort Baumlager
 
Was ist Waldglas?                                          
Sogenannte Waldglashütten entstanden ab dem 12. Jhdt. in vielen Gebieten Mitteleuropas in denen es große Wälder gab. Unter anderem war dies auch in Böhmen und im Bayerischen Wald der Fall.
Um den Quarzsand, der zumeist aus Bächen und Flüssen der Mittelgebirge gewonnen wurde, zu Glas zu schmelzen benötigt man eine enorme Menge an Holz.  So waren für 1 kg Glas etwa 1-2 Kubikmeter Holz nötig und zwar ca. 5 % für die Feuerung der Glasschmelzöfen, aber 95 % für die Herstellung der sogenannten Pottasche. Diese wurde dem Quarzsand beigemischt um dessen Schmelztemperatur herabzusenken.
Da der Quarzsand selten in reiner Form vorkommt (z.B. als Bergkristall) gingen die in ihm enthaltenen Metalleinschlüsse (u.a. Eisenoxid) als Färbung mit ins Glas ein. Deshalb hatte das Glas, das in den Waldglashütten hergestellt wurde, häufig einen grünen, gelblichen oder leicht bräunlichen Farbton. Diese Tönung sowie winzige Einschlüsse und Bläschen gaben den Gläsern das typische Aussehen, das in späterer Zeit oft nachgeahmt wurde.
Im Gegensatz zum damals ebenfalls weitverbreiteten kunstvolleren venezianischen Glas war das Waldglas oft recht dickwändig. Als Dekor wurden häufig Noppen oder Fäden auf das Glas aufgeschmolzen oder es wurde mit Emailmalerei verziert.
Im 18. Jahrhundert erzeugten nur mehr wenige Betriebe Gebrauchsglas in Form von Waldglas. Im Allgemeinen war man bestrebt, durch Zusätze von Glasmacherseifen, Kalk und Blei, farbloses Glas herzustellen.
 
Tafel 4 : Standort Abzweigung Hopfenwaldstraße          

Die Glashütten im Lamer Winkel

Die Vielzahl der Glashütten-Orte im Lamer Winkel und die noch größere Zahl der Hüttenstandorte ist fast verwirrend. An die mehr als 350jährige Glasmachergeschichte erinnert heute kaum noch etwas – da und dort eine Verebnungsfläche im Gelände, auf der man Glasscherben finden kann, vielleicht ein grasüberwachsener Rest von einem Hüttengrundfest.
Die erste Glashütte im Lamer Winkel soll in Engelshütt bei Lam gestanden haben. Man nimmt die Zeit von 1280 bis 1320 an, das ist etwa die Zeit des ersten Kirchenbaus in Lam.     In den Jahren von 1540 bis 1904 wurden dann  im Lamer Winkel 19 Glashütten betrieben. Mitte des 17.Jhdts., während des 30jährigen Krieges, wurden viele Hütten abseits in die Wälder verlegt. Als dann der Handel  nach den Kriegswirren wieder zu blühen begann, entstanden Glashütten an neuen Standorten. Im 19. Jahrhundert war nur noch eine Glashütte im Lamer Winkel in Betrieb, die 1805 gegründete Hütte in Lambach. Aber die langen Absatzwege veranlassten zur Verlegung nach Neustadt a.d. Waldnaab im Jahre 1904. Lambach wurde ein Forstgut. Heute erinnern dort nur mehr die Willmann – Villa und der Baader-Gedenkstein an die Glasmacherzeit.
Als letzte Glashütte im Lamer Winkel wurde die Lohberghütte neben dem Weißen Regen in 1838 Betrieb genommen. Die Familie Schrenk wurden die bedeutendsten Spiegelglasfabrikanten im Osten Bayerns. Im Sommer 1907 brannte die Hütte ab und nach und nach wurde alles abgetragen.  Der Wald hat sein Gebiet zurückgeholt. Das Herrenhaus der Schrenk in Schrenkenthal, die Villa in Lambach sowie Orts- und Flurnamen sind die letzten Zeugen dieser Glasmacherepoche im Lamer Winkel.                                                                                                                                         Im Glasatelier am Schlossereck in Lam (Theo Sellner) und in der Glashütte Alte Kirche in Lohberg (Bild) lebt die Glasmacherkunst im Lamer Winkel wieder auf.
 
 
Tafel 5 : Standort Lambach               
 
Franz von Baader -       
Erfinder der Glasschmelze mit Glaubersalz

Die unbesiedelten Waldungen unter dem Osser gehörten bis zum Jahre 1803 dem Kloster Rott am Inn. Durch die Säkularisation fielen sie an den Staat. Lambach verdankt seine Entstehung der Hüttengründung durch den bayerischen Oberstbergrat Franz Xaver Benedikt von Baader.  1806 begann von Baader mit dem Bau einer Glashütte, ein schwieriges Unternehmen in einer konjunkturell sehr ungünstigen Zeit, die durch harte Konkurrenz und schlechten Absatz gekennzeichnet war.  Dem Universalgelehrten Baader gelang in Lambach schließlich eine bahn-brechende Entdeckung: Von Baader erfand die Technik, die bisher zur Glasherstellung unverzicht-bare Pottasche, deren Herstellung Unmengen von Holz verbrauchte, durch die Beimengung von Glaubersalz fast vollständig zu ersetzen und  "ein ungleich farbloses, spiegelndes und überhaupt besseres Glas" herzustellen. Einen wirtschaftlichen Nutzen konnte er allerdings daraus nicht ziehen, zudem war er vom Pech verfolgt: Dreimal brannte die Glashütte ab, wodurch er in finanzielle Schwierigkeiten geriet. In der Folge ging der Besitz durch zahlreiche Hände, bis 1904 der Betrieb nach Neustadt an der Waldnaab verlegt wurde.
Das Gut Lambach blieb jedoch im Besitz von Hermann Willmann, der es in einen leistungsfähigen Forstbetrieb umwandelte. 1964 schenkte der Nachfolger Albert Willmann, der "Herr von Lambach", dessen Ehe kinderlos blieb, dem Bischöflichen Stuhl von Regensburg seinen gesamten Besitz mit 651 Hektar Wald, 20 Hektar Äcker und Wiesen und sämtlichen Gebäuden. Damit fiel der Besitz nach 700 Jahren wieder zurück an die Kirche.

Tafel 6 : Stierberg / Waldrand 
Die Waldglashütte
Im Mittelalter gab es neben den sesshaften Klosterhütten, die auf die Herstellung von farbigem Flachglas für Kirchenfenster beschränkt waren, auch „weltliche“ Wanderhütten. Wegen des hohen Holzbedarfs wurden die Glashütten in den Wäldern angesiedelt, meist in einer siedlungsärmeren Gegend.
Obwohl es schon vorher Glasherstellung gab, kommt Kaiser Karl IV., der mit anderen Handwerkern auch Glasmacher aus Italien und Frankreich nach Prag holte, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Waldglases zu. Von Böhmen aus wanderten die Glasmachersippen immer weiter nach Westen.
Für den Lehensherrn war die Glashütte nicht nur ein Glasproduzent, der erhebliche Steuern einbrachte. Wegen ihres hohen Holzverbrauchs kamen ihnen auch wesentliche Aufgaben beim Landesausbau und der Waldwirtschaft zu. Der Holzbedarf einer einzigen Glashütte zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasöfen betrug jährlich 2.000 bis 3.000 Festmeter Holz, (ca. 2.800 bis 5.200 m³). Für eine Glashütte wurde somit jährlich der Holzvorrat von etwa 20 bis 30 ha (1 Hektar = 100 x 100 m)  Wald benötigt. Rund 95 % des Holzes wurde dabei für die Gewinnung der Pottasche veräschert.
Die Waldglashütten wanderten, wenn der Wald geschlagen war, in immer entferntere, Gebiete bis hinauf in die Hochtäler  und mit ihnen zog das ganze Gefolge, das durch sie Beschäftigung erhielt. In einer Waldglashütte lebten oft mehr als zehn Familien zusammen. Da die Glashütten nur für einen begrenzten Zeitraum betrieben wurden, waren die meisten Gebäude nicht sehr massiv gebaut. In den verlassenen Wohnstätten konnten Ackerbauern und Viehzüchter angesiedelt werden, die auf den abgeholzten Flächen wiederum Nahrung produzierten und das Wachstum so weiter förderten. So konnte eine Wanderglashütte ganze Wälder für die Besiedelung vorbereiten, es entstand Hof um Hof, Siedlung um Siedlung.
In einigen Gegenden aber wurde das Befeuern der Glasöfen mit Holz schon im 17.Jhdt. verboten (Böhmen 1650), womit das Ende der Waldglashütten eingeleitet wurde.
 
 
Tafel 7 : Standort Oberschmelz
 ….ein unendlich Kreuz
 Das Leben der Glasmacher und ihrer Familien war hart und voller Entbehrungen. „Es ist ein unendlich Kreuz, Glas zu machen!“ lautet ein bis heute überlieferter Spruch der Glasmacher. Mit beeindruckender Energie, unbändigem Fleiß und erstaunlicher Kreativität machten sie den Bayerischen Wald zu einem europäischen Zentrum der Glasherstellung.
In den waldreichen Bergen des Bayerischen Waldes fabrizierte man schon seit dem 15. Jahrhundert funkelnde Gläser, leuchtende Kelche und glänzende Perlen. Generationen von Glasmacherfamilien arbeiteten in der Herstellung und Veredelung von Glas.

Bis ins 18. Jahrhundert waren die Glashüttenherren freie Unternehmer. Sie schlossen mit einem Grundherrn einen befristeten Vertrag über die Nutzung und Abholzung eines Waldstücks, die Haltung von Ziegen, Schweinen und Kühen, die auch im Wald weiden durften usw. Innerhalb ihres Glashüttengutes waren sie die absoluten Alleinherrscher. Zugleich waren die Hüttenherren Glasmeister -  der Erfolg eines Hüttenbetriebes hing wesentlich von der Kunstfertigkeit des Glasmeisters ab, aber auch von seiner Geschäftstüchtigkeit.

Kinderwagentauglich
Fahrradtauglich
Familienfreundlich
Einkehrmöglichkeit

Quelle:

eT4®

Organisation:

Landratsamt Cham

Zuletzt geändert am 01.01.2018

ID: t_100031623